Lebensraumentwicklung von Streuobstwiesen mit der Zielartengruppe Fledermäuse

Ein Projekt zum Schutz der Biodiversität im Streuobstkorridor Rhein-Main-Kinzig

Kurzfassung des Gesamtprojektes

Anlass und Projektziele:

Streuobstwiesen sind ein Musterbeispiel für Kulturlandschaftselemente, die im Übergangsbereich von Städten und Dörfern zur offenen Landschaft und damit im unmittelbaren Lebensumfeld zahlreicher Menschen liegen und die des Erhalts durch Nutzung und Pflege bedürfen. Sie besitzen eine hohe Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität, die regionale Identität, Landschaftsbild und Erholungsfunktion sowie als Ort der Umweltbildung. Hochgradig durch Flächenreduktion, fehlende Pflege und Nutzungskonzepte gefährdet, stehen sie seit längerem im Fokus von Naturschutz-Bemühungen.
Diese waren jedoch bisher meist an allgemeinen Zielsetzungen und Flächenverfügbarkeit ausgerichtet, es fehlte zumeist ein schlüssiges und spezifisch begründetes Gesamtkonzept. Es mangelte insbesondere an zielartenspezifischen Maßnahmenbegründungen und -umsetzungen, u. a. für die europaweit streng geschützte Artengruppe der Fledermäuse, die unter bestimmten Voraussetzungen Streuobstwiesen in hoher Intensität als Quartier- und Nahrungsraum sowie als Leitstruktur nutzen.

Mit dem Projekt sollte eine modellhafte Lebensraumentwicklung im Streuobstkorridor Rhein-Main-Kinzig mit der Zielartengruppe der Fledermäuse realisiert werden.
Es sollte eine moderne und effektive Kombination von verschiedenen  Methoden zu einem integrativen Gesamtkonzept entwickelt werden, diese exemplarisch in der Praxis erproben und die gesammelten Erfahrungen zu einem räumlich auf andere Streuobstgebiete übertragbaren Praxisleitfaden zusammenfassen. Neben der Erhaltung und Entwicklung des Lebensraumes Streuobstwiesen wurden positive Effekte im Artenschutz für Fledermäuse und andere Tierarten erwartet.

Ergebnisse

1. Untersuchungen an Fledermäusen

In zahllosen Untersuchungsnächten wurde mit Hilfe unterschiedlichster wissenschaftlicher Methoden untersucht, welche Fledermausarten Streuobstwiesen nutzen und was eine Streuobstwiese als Fledermauslebensraum auszeichnet.
Insgesamt 14 Fledermausarten konnten in den Streuobstwiesen gefunden werden, darunter äußerst seltene Arten wie die Mopsfledermaus und die Bechsteinfledermaus. Fledermäuse bilden in hohlen Obstbäumen Kolonien, in denen die Jungen großgezogen werden. Deswegen ist es wichtig, dass auch alte und womöglich sogar schon absterbende Bäume in einer Wiese verbleiben dürfen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Fledermäuse vor allem in gepflegten Streuobstwiesen vorkommen und Insekten suchen. Die Beweidung mit Schafen oder Kühen ist ebenso nützlich wie die Heuernte. Wichtig ist auch die Pflege und vor allem Nachpflanzung von Bäumen, denn es hat sich gezeigt, dass die Fledermäuse eine bestimmte Baumdichte bevorzugen und die Wiese nicht zu lückig bestanden sein sollte. 40 Obstbäume pro Hektar ist ein günstiger Wert für Fledermäuse. Ebenso ist es wichtig, dass Streuobstwiesen über Baumreihen, Alleen oder Heckenzüge an den Wald und den Siedlungsraum angebunden sind, damit sie für Fledermäuse besser erreichbar sind.

2. Konzeptentwicklungen und exemplarische Umsetzung

Bestehende Pflege- und Entwicklungskonzepte für Streuobstwiesen wurden auf der Basis der verbesserten Zieldefinition für die Fledermäuse weiterentwickelt. Dabei spielt die Vernetzung von Biotopen eine herausragende Rolle für Fledermäuse. Solche vernetzenden Maßnahmen wurden durchgeführt oder in ein Antragsverfahren gebracht. Die Aufwertung der Biotope durch Vernetzung und zielgerichtete Pflege bewirkt auch eine Verbesserung des Lebensraums für weitere bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Unter dem „Flag-ship“ Fledermause wurden die Bedürfnisse der anderen Tiergruppen und Pflanzen mit erhoben.
Es wurden teils neue Methoden zur Finanzierung über Ökopunkte oder neue Kombinationsmöglichkeiten bestehender Finanzierungsmodelle aufgezeigt.
Es wurde modellhaft dargestellt, wie eine nachhaltige Anschlussbetreuung gesichert werden kann. Praktische Unterstützung erhielten viele Obstwiesenbesitzer durch gemeinsam organisierte Baumbestellungen zu preiswerten Konditionen. Ein System zur Vermittlung von Obstwiesen an interessierte Nutzer wurde mit einem neuen Projekt
„Pflege gegen Nutzung“ initiiert. So wird das „Brachfallen“ von Streuobstwiesen verhindert und das Biotop bleibt für Tier und Mensch erhalten.

In das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt war weiterhin die Erstellung einer Datenbank für den Streuobstwiesengürtel integriert. Dort wurden alle naturkundlichen und nutzungsorientierten Daten zusammengeführt und mit Hilfe eines GIS darstellbar gemacht.

3. Öffentlichkeitsarbeit

Akzeptanz und aktive Mitwirkungsbereitschaft für das Projekt wurden mit Hilfe einer übergreifenden Kommunikationsstrategie entscheidend gefördert. Die Fledermäuse wurden als „Flagship-Species“ und Sympathieträger für die Streuobstwiese eingesetzt. Das Informationsangebot des MainÄppelHauses wurde erweitert u. a. mit Fortbildungsmodulen für Lehrer, Planer und Kommunen sowie der Entwicklung von Unterrichtsmaterialien. Der Info- und Naturerlebnisgarten des „MainÄppelHaus Lohrberg“ wurde stärker naturschutzfachlich ausgerichtet und umgebaut, um für die Umweltpädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, behinderten Menschen und Erwachsenen ein vielfältiges Angebot bereit zu halten. Im Jahresverlauf gibt es Schulungen, Qualifizierungsmaßnahmen, Vorträge, Beratungen, Umweltbildungskurse, Kochkurse und Exkursionen im Veranstaltungskalender.

 

Projektträger:

MainÄppelHaus Lohrberg Streuobstzentrum e.V.
Klingenweg 90
60388 Frankfurt
Tel. (069) 47 99 94
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.mainaeppelhauslohrberg.de

Kooperationspartner:

Institut für Tierökologie und Naturbildung
Altes Forsthaus
Hauptstr. 30
35321 Gonterskirchen
Tel. (06405) 500283, Fax (06405) 501442
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.tieroekologie.com

Das Projekt wurde von Dezember 2007 bis Dezember 2011 durchgeführt. Partner für die fledermauskundlichen Arbeiten waren Dr. Markus Dietz und sein Team vom Institut für Tierökologie und Naturbildung.

Finanziert wurde das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (www.dbu.de) und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (www.zgf.de).

Kontaktpersonen:
Markus Dietz, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Barbara Fiselius